Luzienhäuserln auf der Amper

Ein alter Brauch wurde 1949 auf Anregung von Rektor Kachelriß wieder neu belebt:

das Luzienhäuserlschwimmen

 

 

Brucker Schulkinder bauen mehrere Wochen vor dem 13. Dezember Häuschen in allen Größen.

Das geschieht vermutlich in Erinnerung an das Jahr 1785, als Fürstenfeldbruck von einer Hochwasserkatastrophe bedroht war. Am 13. Dezember, am Fest der heiligen Luzia, soll die Gefahr am größten gewesen sein.

Da versammelten sich die Amperanwohner in der Klosterkirche und baten die heilige Luzia um Fürsprache. Sie gelobten, jedes Jahr am 13. Dezember in einem Gottesdienst für ihre Rettung zu danken, wenn sie von den Fluten verschont blieben.

Die am meisten Bedrohten (Erwachsene!) hatten möglichst genaue Nachbildungen ihrer Häuser mit in die Kirche gebracht.

Nach dem Bittgebet übergaben sie die Häuser der
reißenden Amper.

 

Das Wasser stieg nicht weiter, der Ort blieb vor einer Katastrophe bewahrt.

Diese so genannten Luzienhäusl waren aus Pappendeckel gebaut, die Fenster waren mit ölgetränktem Papier verklebt und das Häuschen auf einem Brettchen befestigt. Im Inneren wurde eine Wachskerze aufgestellt und beim Gottesdienst angebrannt. Nach dem Gottesdienst wurden diese beleuchteten Häuschen zu früher Morgenstunde von den Erwachsenen den Fluten der Amper übergeben.

Zu Anfang des 19. Jahrhunderts unterblieb der Gottesdienst, nicht aber der Brauch, auf der Amper die Häuschen schwimmen zu lassen. Allerdings setzte man sie nicht mehr am Morgen aus, sondern nach eingetretener Dunkelheit.

1851 wurde das letzte Luzienhäusl der Amper übergeben.

Im Jahre 1949 erweckte der spätere Rektor Kachelriß der Knabenschule Fürstenfeldbruck (heutige Grundschule an der Philipp-Weiß-Straße) diesen Brauch zu neuem Leben.

Er und andere Lehrer bauten mit den Knaben der 5. bis 8. Klasse die Häuschen, von denen einige wahre Kunstwerke aus Holz waren, im Werkunterricht.

Heute bauen die Buben und Mädchen der vierten Klassen aus der Philipp-Weiß-Schule die Häuschen.

 

 

 

 

Ihre Eltern helfen ihnen dabei, so dass wieder täuschend echte Nachbildungen der Brucker Häuser und Kirchen entstehen. Pappe, Holz, Papier und Karton sind die Materialien. Aber auch echter Putz und Kupferdächer sind zu sehen.

Auch die Grundschüler am Niederbronner Weg
(1. – 4. Klasse) basteln in der Schule viele Häuschen, vornehmlich aus Papier, Pappe und Karton. Für die Fenster verwenden alle Kinder meist Transparentpapier.

Die Gemeinde Grafrath hat sich dem Brauch des Luzienhäuserlschwimmens angeschlossen, obwohl dieser ursprünglich in Fürstenfeldbruck entstanden ist.

Nach einem Gottesdienst vor der Leonhardikirche oder – bei sehr schlechtem Wetter – in der Fürstenfeldbrucker Stadtpfarrkirche St. Magdalena werden die Kerzen angezündet.

Mitglieder der Wasserwacht setzen die Häuser gegen 19.00 Uhr auf die Amper

Trotz der Regulierung der Amper nach dem Hochwasser von 1965 kam es 1999 zu einer weiteren Überschwemmung.

 

um 1930 Hochwasser Amperbrücke FFB

1965 Leonhardiplatz (FFB) unter Wasser